Blog – Akupunktur bei Gleichbeinbruch

Case-Study:

Anwendung der Akupunktur bei einem Gleichbeinbruch

Ein Fall, der noch aus der Anfangszeit meiner Tätigkeit in der Pferdeakupunktur stammt, und an den ich auch heute noch oft zurückdenke.

Comic Pferd LahmheitMich rief eine Reitschülerin an, mit der ich ein paar Mal gearbeitet hatte. Sie hatte eine 20jährige Warmblut-Stute, die sich das Gleichbein gebrochen hatte. Die Prognose vom Tierarzt war sehr verhalten, aber die Besitzerin wollte der Stute eine Chance geben und suchte nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten. Knochenbrüche bei Pferden sind immer problematisch, denn im Gegensatz zu uns Menschen können Pferde ihre Gliedmaßen nicht schonen, um den Bruch in Ruhe verheilen zu lassen.

Die Besitzerin wünschte sich, dass ihre Stute schmerzfrei laufen und wieder in die Herde integriert werden konnte. Es ging ihr nicht darum, dass die Stute wieder reitbar werden sollte, sondern einfach nur darum, dass sie einen schmerzfreien Lebensabend bei ihr verbringen konnte.

Der erste Termin

Als ich in den Stall kam, stand die Stute auf drei Beinen. Sie mochte den rechten Vorderhuf nahezu überhaupt nicht belasten. Auch körperlich sah man ihr an, dass ihr die Schmerzen zu schaffen machten. Die Besitzerin sagte, sie hätte in wenigen Tagen stark abgenommen. Ihr Auge war allerdings wach und sie sah nicht nach Aufgeben aus.

Eine erste Befundung war schwierig, denn die Stute war mir gegenüber unglaublich misstrauisch. Die Besitzerin erklärte, sie sei Neuem gegenüber immer skeptisch. Dies erinnerte ich auch noch aus dem Reitunterricht. Die Stute hatte mal gelernt, sich selbst durch Flucht zu schützen und erst hinterher Fragen zu stellen. So war der erste Termin für uns alle anstrengend.

Ich schaffte es, genau eine Nadel zu setzen, bevor ich lieber auf den Laser zurückgriff, um der Stute möglichst viel Stress zu nehmen und sie zu entlasten. Insgesamt wurden es fünf Akupunkturpunkte, bevor die Stute signalisierte, dass es für den ersten Termin reichte: ein Schmerzpunkt, zwei Nieren-Punkte und zwei Knochen-Punkte. Entspannen fiel der Stute in meinem Beisein äußerst schwer. Ich zog mich zurück, um ihr Raum zu geben, trotzdem blieb sie sehr wachsam.

Zuhause beschäftigte ich mich mit dem Anamnesebogen, den die Besitzerin ausgefüllt hatte. Die Stute stand relativ stark im Wasser-Element und wies hier eine ziemliche energetische Schwäche auf, die sich jetzt auch in dem Knochenbruch äußerte.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Fünf Elemente (Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser) definiert. Jedes Element steht für verschiedene Grundprinzipien, Charakterzüge aber auch Anfälligkeiten für bestimmte Erkrankungen eines Individuums. Wenn Du mehr über die Fünf Elemente erfahren möchtest, dann klicke hier.

Zum Wasser-Element gehören neben der Emotion ‚Angst‘ z.B. auch die Knochen. Beides waren Anzeichen, die bei der Stute vorlagen.

 

Der weitere Behandlungsablauf

Auch beim zweiten Termin war die Stute noch relativ skeptisch, allerdings kein Vergleich zum ersten Mal. Sowohl in der Diagnostik als auch in der Behandlung durfte ich schon etwas mehr machen. Sie fing auch vorsichtig an, sich mehr zu entspannen und dies auch zu zeigen.

Es war der dritte Termin, der mich sehr berührte, und von dem ich auch immer mal wieder meinen Kunden erzähle, wenn ich ein skeptisches Pferd vor mir habe bei dem der Besitzer sich beim ersten Termin fragt, ob die Akupunktur wirklich etwas für sein Pferd ist.

Jedes Pferd reagiert anders - auf die Akupunktur und auf einen fremden Menschen.

Die Skepsis der Stute mit dem Gleichbeinbruch war in den ersten zwei Behandlungen unglaublich deutlich. Ihr Bedürfnis, sich zu schützen, gerade in der Situation mit Schmerzen und einem kaputten Bein, stand über allem.

Beim dritten Termin stand die Stute auf der Stallgasse, als ich kam. Und dieses Mal war alles anders: Als ich um die Ecke kam, hob sie den Kopf und spitzte die Ohren. Sie schaute mich mit glänzenden Augen an und streckte mir den Kopf zur Begrüßung entgegen. Dieser Moment hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Diese skeptische Stute, die mich anfangs kaum an sich heranließ, schien nun zu sagen: „Du bist für mich da, oder?“

Von da an durfte ich so ziemlich alles machen und die Stute ließ sich komplett auf die Behandlung ein. Sie entspannte und genoss die Akupunktur sichtlich. Wir machten weitere Termine in engmaschigen Abständen.

Drei Wochen nach Behandlungsbeginn belastete sie das Bein im Stand fast normal. Sie hatte auch wieder zugenommen und ihr Fell glänzte. Vier Wochen nach Behandlungsbeginn kam der Tierarzt zur Nachkontrolle. Der Bruch verheilte besser als gedacht. Die Prognose klang nun deutlich zuversichtlicher.

Sechs Wochen nach Behandlungsbeginn durfte die Stute schon wieder etwas länger Schritt geführt werden und machte sich wirklich gut. Etwas später durfte sie wieder in ihre Herde integriert werden und verbrachte den Rest des Sommers draußen. Dies war das ursprüngliche Behandlungsziel gewesen: die Stute sollte schmerzfrei draußen laufen können.

Leider ließ sich der Behandlungserfolg nicht langfristig erhalten, so dass dieser Sommer ihr letzter werden sollte. Im Winter verschlechterte sich ihr Zustand, so dass die Besitzerin in ihrem Sinne entschied und sie gehen ließ.

Ich denke trotzdem, dass ich durch die Akupunktur einen Beitrag dazu leisten konnte, dass die Stute einen letzten schönen Sommer in ihrer Herde erleben und die Besitzerin noch ein wenig mehr Zeit mit ihr verbringen konnte.

 

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